Schüler bleiben cool bei Til Schweiger

Wer einen Blick auf Til Schweiger erhaschen will, braucht Glück und gutes Timing. Am Freitag sind es nur wenige Minuten, in denen sich der Schauspieler in der Öffentlichkeit zeigt. Vor dem Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium in Nabburg. Der Filmstar dreht nach „Honig im Kopf“, „Keinohrhasen“ oder dem Tatort in Hamburg nun in der Oberpfalz. In den Landkreisen Schwandorf und Neumarkt entsteht mit vielen bekannten Kollegen „Gott, du kannst ein Arsch sein“ fürs Kino – eine Umsetzung der gleichnamigen autobiografischen Erzählung. Viel mitbekommen werden die Oberpfälzer davon nicht. Die Crew rund um den kommerziell erfolgreichsten deutschen Filmstar arbeitet ziemlich gut abgeschirmt – und auch die Presse ist an den Orten unerwünscht. Drei Schülerinnen schaffen es aber doch, Til Schweiger ganz nah zu kommen.

Eigentlich ist an diesem Freitag alles wie immer. Es wird unterrichtet am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium. Im Pausenhof wird rumgetollt und geratscht. Busse kommen, Elterntaxis fahren weg. Ein ganz normaler Schultag – wären da nicht die Trucks, die vielen fremden Gesichter, die Kameras und das große Schild über dem Haupteingang. „Theodor-Fontane-Realschule“ steht darauf. Auswärtige würden das Gymnasium, das für wenige Stunden Filmkulisse wird, heute nur schwer finden.

Schon seit Mittwoch waren die Aufbauarbeiten vor und in der Schule im Gange. Eine der beiden Schulaulen wurde für eine Abschlussfeier hergerichtet. Stuhlreihen, ein Rednerpult und eine bunte Girlande mit „Abschlussfeier 2020“ lassen am Freitag erkennen, dass hier eine Schlüsselszene des Films entstehen wird. Die Protagonistin Steffi, die wenig später die Diagnose Lungenkrebs erhält, feiert ihren Realschulabschluss. Der funktionale Raum gefiel den Produzenten offenbar so gut, dass sie ihn aus mehreren Schulen ausgewählt haben. Schulleiter Schwab ist darauf schon ein bisschen stolz, auch wenn er sagt, dass hier noch nie eine Abschlussfeier seiner Schule stattfand, weil der Platz nicht ausreichen würde. „Wir gehen immer in die Mehrfachturnhalle.“

„Unglaublich unspektakulär“

Die Schüler lässt das Gewusel auf dem Schulgelände offensichtlich ziemlich kalt. „Keine Ahnung, wer da mitspielt“, sagt eine Gruppe Mädchen, die das Treiben mehr belustigt als neugierig verfolgt. Das Interesse an der Filmcrew, das hat auch Schulleiter Christian Schwab festgestellt, hält sich in Grenzen. „Das läuft unglaublich unspektakulär ab.“ Überhaupt bekommen die Schüler vom tatsächlichen Dreh nichts mit. Schweiger und seine Kollegin Heike Makatsch sowie Nachwuchsschauspielerin Sinje Irslinger sind immer dann auf dem Set, wenn die Schüler im Unterricht sind. Die Szenen in der Aula werden am Freitagnachmittag gedreht, wenn das Gebäude sowieso leer ist.

Und so bekommen kurz vor 12 Uhr auch nur wenige Zaungäste mit, dass vor der Schule die Produktion läuft. Plötzlich taucht Til Schweiger an den Treppen zum Haupteingang auf. Er trägt einen grauen Anzug mit hellem T-Shirt. Im Film mimt er den Vater der unheilbar erkrankten Realschülerin. Makatsch übernimmt die Rolle der Mutter. Auch sie steht inzwischen im fliederfarbenen Kleid und braunen Sandalen für die nächste Klappe bereit, ebenso wie die junge Hauptdarstellerin, die im Film auch noch eine jüngere Schwester hat.

Dann laufen auch schon die Kameras und auch die vier Schauspieler haben den Auftrag, flott auf den Haupteingang zuzusteuern. Die Szene dauert wenige Sekunden. Ein kurzer Sprint und das war es. Zunächst scheint die Regie zufrieden, doch dann wird auf der Aufnahme ein privates Tattoo bei Makatsch entdeckt. Es wird überklebt und die Gruppe muss ein weiteres Mal die Treppen in Richtung Schulgebäude hochlaufen. Diesmal sind alle zufrieden. Gerade noch pünktlich geschafft, bevor der Unterricht endet.

Selfie mit Schweiger

Doch in diesem Moment kommt es dann doch zu einer so nicht vorgesehenen Begegnung zwischen Schülern und Stars. Drei Mädchen, die den Müll rausbringen sollen, stehen plötzlich neben Til Schweiger – trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Sie packen die Gelegenheit beim Schopf, nehmen offensichtlich allen Mut zusammen und sprechen ihn an. Ein Foto wird gemacht und die Teenager ziehen wieder ab. Und Schweiger zieht sich schnell in die Wagenburg auf dem Parkplatz zurück. Aus der Ferne ist ein Funkspruch zu hören, dass Passanten abgeblockt werden sollen, „weil Til im Auto sitzt“.

In der Aula haben in der Zwischenzeit Kulissenbauer damit begonnen, die Fensterscheiben abzukleben, um die weiteren Dreharbeiten vor neugierigen Blicken abzuschirmen. Schüler, die noch im Gebäude unterwegs sind, werden per Durchsage nach draußen beordert, während sich auf den Gängen bereits die Komparsen in eleganten Kleidern und schicken Anzügen in Stellung bringen.

Noch am Freitagabend sollen die Aufnahmen am Nabburger Gymnasium fertiggestellt sein. Wo die weiteren Filmkulissen in der Region sind, das bleibt weitestgehend geheim. Bekannt ist lediglich, dass im Raum Neunburg vorm Wald Innenaufnahmen stattfinden. Auch an einem See wird gedreht. Die Chancen, auf Til Schweiger zu treffen, stehen aber eher schlecht. Dafür braucht es Glück und ein ziemlich gutes Timing.

Text und Bilder on Isolde Stöcker-Gietl, MZ