Perspektivenwechsel beim Ferienunterricht

Einmal in die Rolle des Lehrers schlüpfen – und dies nicht bei einem häuslich erteilten Nachhilfeunterricht in Wohnzimmeratmosphäre,

sondern in der Schule selbst, in einem Klassenzimmer mit Tafel, Whiteboard, Kreiden und Spezialstiften, in der Hand einen eigenen Stundenplan, erwartet von einer kleinen Schülergruppe.

Das zu erleben und eventuell sogar zu genießen, war und ist für Oberstufenschüler/innen immer wieder möglich im Ferienunterricht des JAS-Gymnasiums, in den Vorbereitungskursen für das neue Schuljahr.

Seit Jahren findet dieser Unterricht Anfang September statt und gibt Schülern und Schülerinnen der 5. bis 8. Klasse unter Anleitung der „jungen Lehrer/innen“ die Möglichkeit, schnell noch Lücken zu schließen oder alten, aber wichtigen Stoff zu wiederholen oder zu festigen. Für ausgewählte Schüler und Schülerinnen der Oberstufe bietet sich dadurch die Möglichkeit, aus der Rolle des Schülers in die Rolle des Lehrers zu wechseln und kurz vor Ferienende noch einen letzten Ferienjob zu ergattern.

Sie wurden jetzt im Rahmen einer Evaluation befragt und geben im Folgenden über ihre Tätigkeit Auskunft.

 

Wie kommt man zu einer solchen Aufgabe?

„Man überlegt sich, welches der Kernfächer man gerne unterrichten würde und wenn die eigenen Noten in diesem Fach stimmen, kann man sich bewerben, wird eventuell ausgewählt und bekommt dafür eine Entlohnung“.

 

Welche Erfahrungen macht man?

„Eigentlich schöne und überraschende“, sagt L., die im Ferienunterricht Mathematik und Physik unterrichtete. „Man bemerkt selbst, wie schwierig es manchmal ist, etwas einfach zu erklären. Es passiert sogar, dass man plötzlich seine eigenen Lehrer ganz anders sieht und versteht. Wichtig ist es immer wieder, auf das unterschiedliche Leistungsniveau der Schüler/innen zu achten. Deshalb erstellten wir heuer schon im Vorfeld einen aussagekräftigen Einstufungstest im Fach Mathematik. Nach der Auswertung sprachen wir uns dann untereinander ab und teilten die Kursgruppen so auf, dass sich die Schüler/innen nicht überfordert, sondern gut unterrichtet fühlten. Hausaufgaben vergeben wir aber nicht. Schließlich sollen sie alle gerne zu uns kommen und Spaß haben.“

 

Bleibt der Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen bestehen?

 „Nicht mit allen, aber nach Ablauf des Ferienunterrichts habe ich auch schon manchem Schüler während des Schuljahres Nachhilfe gegeben“.

 

Und was sagen eure Schüler/innen über den Unterricht und euch?

„Das wussten wir bisher nicht so genau, aber heuer wurden sie am Ende befragt. Sie durften einen Zettel abgeben, auf dem Fragen, wie `Was hast du heute gelernt?’ oder `Was muss dir noch mal erklärt werden?’ ` Was musst du noch wiederholen?’  zu lesen und zu beantworten waren.

Da hatten wir, als wir das Ergebnis der Auswertung hörten, schon den Eindruck, dass wir etwas Positives erreicht haben, sicher nicht bei allen, aber bei vielen.“

 

Bringt dieser Unterricht eurer Meinung nach den Schülern und Schülerinnen für das neue Schuljahr etwas?

„Wir hoffen es! Auf die Frage: `Was möchtest du im neuen Schuljahr anders machen?’ kamen viele gute Vorsätze wie `von Anfang an mitlernen, nicht immer alles aufschieben, genauer lesen’.  Gefreut haben uns die Rückmeldungen am Ende des Fragezettels. Da war zu lesen: „Coole Lehrer, hat echt Spaß gemacht, wir haben viel gelernt, kommen nächstes Jahr wieder!“

E. Seibert-Kiener, StDin

Organisatorin des Ferienunterrichts