Medizinische Hilfe für die Nordukraine: Konsul bedankt sich bei Nabburger Gymnasiasten

Studienrat Wolfgang Malzer organisiert seit 2011 den Weihnachtsmarkt am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium. Konsul Dmytro Shevchenko (erste Stuhlreihe von rechts) zeigt sich beeindruckt.

Konsul Dmytro Shevchenko vom Generalkonsulat der Ukraine in München bei seiner Dankesansprache im Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium.

Schulleiter Christian Schwab, Josef Ziegler von der "Aktion Tschernobyl", der ukrainische Konsul Dmytro Shevchenko, Alt-Landrat Hans Schuierer und Angelika Ziegler (erste Reihe von links) zollen Schülern und Lehrern des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg Respekt für ihre Spendenbereitschaft. Im Hintergrund sind Lehrkräfte, Ärzte aus der Ukraine und Mitglieder des Vereins „Aktion Tschernobyl“.

Der Vorsitzende der "Aktion Tschernobyl", Josef Ziegler, beschreibt Schülern und Gästen wie dringend ukrainische Krankenhäuser auf Hilfe aus Bayern angewiesen sind.

Über 50.000 Euro spendete das Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium in Nabburg seit 1992 an die Pfreimder Hilfsorganisation „Aktion Tschernobyl". Zeit, den Schülern Danke zu sagen, findet der ukrainische Konsul Dmytro Shevchenko aus München.

Von einer „einmaligen Veranstaltung" sprach Schulleiter Christian Schwab, als er Konsul Dmytro Shevchenko vor rund 40 Schülern am Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium begrüßte. Der Diplomat vom Generalkonsulat der Ukraine in München war gemeinsam mit zwei Chefärzten aus Krankenhäusern in der Nordukraine, Alt-Landrat Hans Schuierer und dem Vorsitzenden des Vereins „Aktion Tschernobyl" aus Pfreimd – selbst Arzt im Ruhestand – nach Nabburg gekommen. Mit Blick auf die vielen Ärzte unter den Ehrengästen sprach Schwab schmunzelnd von der Veranstaltung mit der „sicherlich besten medizinischen Versorgung", die es je an seiner Schule gegeben habe. Die Besucher waren gekommen, um sich bei Schülern und Lehrern für die seit fast 30 Jahren ungebrochene Hilfe für Krankenhäuser rund um das verstrahlte Gebiet des zerstörten Atomreaktors von Tschernobyl zu bedanken.

Gemeinsam mit Studienrat Wolfgang Melzer organisieren die Gymnasiasten jedes Jahr einen eigenen Weihnachtsmarkt in der Schule, berichtete Schwab. Der Erlös aus den verkauften Plätzchen, Bratwürsten und Dekorationen bliebe jedoch nicht bei den Jugendlichen selbst, sondern gehe zum größten Teil an die „Aktion Tschernobyl". Die Hilfsorganisation um Josef und Angelika Ziegler erwirbt von den Spendengeldern medizinische Geräte wie Defibrillatoren, OP-Besteck oder Sterilisatoren für die Krankenhäuser in der nördlichen Ukraine. „Die Einrichtungen dort sind katastrophal ausgestattet und die Menschen leiden unter der schlechten medizinischen Versorgung", schilderte Josef Ziegler seine Erinnerungen aus dem Jahr 1991. Damals schickte Landrat Hans Schuierer den ersten Konvoi mit humanitären Gütern in die Ukraine, um die Lage in den Krankenhäusern zu verbessern.

14.000 Euro aus Weihnachtsmarkt

Über die Jahrzehnte seien laut Schwab aus dem Nabburger Gymnasium rund 50.000 Euro an die Organisation geflossen, darunter über 14.000 Euro allein aus dem Schul-Weihnachtsmarkt. Der Besuch des Konsuls sei demnach eine „besondere Form der Wertschätzung unseres Engagements für die Tschernobyl-Hilfe", sagte der Schulleiter.

Dmytro Shevchenko erklärte den Schülern in tadelfreiem Deutsch, dass die Ukraine nach der Reaktorkatastrophe 1986 vor Herausforderungen gestellt wurde, „die es weltweit bis dahin noch nicht gegeben hat. Unser Land war damit überfordert." Nur durch die „überwältigende internationale Hilfe" sei es gelungen, Abhilfe zu schaffen. Dazu habe auch die „Aktion Tschernobyl" aus Pfreimd mit ihren Hilfskonvois gehört, die es bis heute gibt. „Leider haben von den anfangs zahlreichen Hilfsorganisationen viele im Laufe der Jahre ihre Unterstützung eingestellt, die Probleme in der Ukraine sind in Vergessenheit geraten." Umso dankbarer seien die Menschen in seinem Land, dass die Hilfsbereitschaft der Oberpfälzer nicht nachlasse. Denn: „Rund um Tschernobyl leidet die Bevölkerung durch die radioaktive Verstrahlung noch immer. Es gibt einen hohen Grad an Krebserkrankungen und genetischen Veränderungen. Die Periode der Verstrahlung wird noch 300 Jahre andauern", erläuterte der Konsul. Chefarzt Dr. Leonid Semko aus der Ukraine ergänzte: „Wir sind auf diese Hilfe immer noch angewiesen. Eure Unterstützung werden wir euch nie vergessen."

Shevchenko weiter: „Jedes Hilfsprojekt ruht auf zwei Säulen: Menschen, die es initiieren, und Menschen, die unterstützen und spenden." Den Schülern gelte deshalb sein Dank genauso wie allen Oberpfälzern, die Zieglers Organisation helfen. Auch zukünftig werde das osteuropäische Land auf Hilfe angewiesen sein, denn die Ausstattung in den Krankenhäusern sei nach wie vor nicht mit deutschen Standards zu vergleichen. Laut Josef Ziegler belaufe sich die Spendensumme aus der ganzen Oberpfalz seit Gründung des Vereins 1992 auf circa 1,3 Millionen. Der Materialwert der gelieferten medizinischen Geräte in den Hilfskonvois ginge weit in den „zweistelligen Millionenbereich".

Tschernobyl gab Auftrieb

Auch Alt-Landrat Hans Schuierer lobte die Gymnasiasten für ihren Einsatz: „Man darf nicht nur an den eigenen Wohlstand denken, sondern auch an die Not anderer. Da geht ihr mit gutem Beispiel voran. Andere Schulen können sich hier eine Scheibe abschneiden." Zumindest einen positiven Effekt habe die Katastrophe von Tschernobyl gehabt, sagte der frühere SPD-Politiker: „Wenn Tschernobyl nicht passiert wäre, wäre die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf wohl gebaut worden. Tschernobyl hat der Bevölkerung Auftrieb gegeben, Widerstand zu leisten. Davon bin ich überzeugt."

Text und Bilder von Tobias Gräf, erschienen in der „Der Neue Tag“ am 19.11.2019