Evangelische Religionslehre


Religion? - Wer braucht das denn bitte noch in der heutigen Zeit und in der modernen Gesellschaft? Glaube? - Völlig überholt und weltfremd!?!!

Zugegeben die Kirchenaustrittsraten waren im letzten Jahrzehnt so hoch wie noch nie. Die Pfarrer predigen immer häufiger vor leerer werdenden Kirchenbänken. Christliche Festtage werden immer weltlicher begangen und christliche Bräuche geraten zunehmend in Vergessenheit.

Nicht aber die religiösen Wünsche und Sehnsüchte der Menschen. Fragen wie „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, „Wie gehe ich mit Leid in meinem Leben um?“, „Was ist der Sinn meines Le-bens?“, „Was gibt mir Halt in meinem Leben?“ beschäftigen auch den modernen Menschen.

Der Religionsunterricht bietet die Gelegenheit, sich mit Fragen tiefster Menschlichkeit zu befassen, sich eine eigene reflektierte Position zu erarbeiten sowie eine Stütze und Halt im Leben und Glauben zu finden. Um junge Menschen dabei zu unterstützen gefestigte Erwachsene zu werden, macht es durchaus Sinn, Jugendliche bei der Orientierung im Leben zu leiten – auch in Glaubensfragen.

Bleibt nur noch die Frage, warum das unbedingt in konfessionellen Religionsgruppen erfolgen muss! Ethik tut´s doch auch!!

Neutraler Weltanschauungsunterricht stellt verschiedene Modelle gleichberechtigt nebeneinander und verbietet jegliche Wertung.

Jedoch geht es bei tiefsinnigen Lebensfragen um mehr! Menschen, gerade Jugendliche, brauchen Orientierungshilfen! Diese bekommen sie in erster Linie von ihren Eltern. Diese stellen ihnen auch nicht verschiedene Erziehungsmodelle vor und lassen ihre Kinder wählen. Nein, sie erziehen ihre Kinder nach besten Wissen und Gewissen mit den Methoden, Regeln und Grundsätzen, die ihnen am Geeignetsten und am Wichtigsten erscheinen. Handelt es sich um verantwortungsvolle, weltoffene Erziehungsberechtigte, so geben sie ihren Kindern mit zunehmenden Alter mehr Raum sich frei zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Nichts anderes will der konfessionelle Religionsunterricht. Er sichert den Kindern eine gute Lebens-grundlage, gibt ihnen Halt sowie Richtlinien zur Lebensgestaltung an die Hand. Mit zunehmender kognitiver Reife können die Jugendlichen verstärkt ihre eigenen Entscheidungen bezüglich Lebens- und Glaubensfragen fundiert, bewusst und reflektiert treffen.

Der evangelische Religionsunterricht bietet ein durchdachtes, hilfreiches Antwortmodell zu Lebens- und Glaubensfragen an. Die Entscheidungsgrundlage für alle Handlungen ist nach Luther das eigene Gewissen, das nur an die Bibel gebunden ist. Nicht irgendwelche kirchlichen Regeln oder Konzepte schränken persönliche Lebensentscheidungen ein – letztendlich trägt der Mensch allein seinem Ge-wissen Rechenschaft. Nach evangelischem Verständnis darf sich der Mensch trotz seinen Fehlern von Gott angenommen wissen und muss sich nicht selbst erleisten. Außerdem kann Gott als Rückhalt in guten und schweren Zeiten erfahren werden.

Und wer braucht Rückhalt bzw. Werte zur Orientierung bei der Lebensführung – auch als moderner Mensch – nicht?