Exkursionen zu den „schlafenden Vulkanen“ im Geopark Bayern-Böhmen

 

Der „Egergraben“, der sich von der nördlichen Oberpfalz bis Nordwestböhmen erstreckt, ist auf deutscher und tschechischer Seite reich an Spuren eines vor langer Zeit sehr intensiven Vulkanismus. Das Projekt-Seminar Geographie 2013/2015 des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums Nabburg unter der Leitung von Studiendirektor Franz Ziegler organisierte im Juli und Oktober 2014 Exkursionen für Schülerinnen und Schüler der 5. Jahrgangsstufe zu vulkanischen Geotopen.

Das vormittägliche Ziel beider Studienfahrten war das nationale Geotop „Hoher Parkstein“ im Weidener Becken. Die Vulkanruine, die seit 2003 zu den „100 schönsten Geotopen Bayerns“ zählt, wurde schon von Geograph Alexander von Humboldt als „schönster Basaltkegel Europas“ bezeichnet, und auch die jungen Amateur-Vulkanologen waren von den bizarren Felsformationen fasziniert. In Gruppen aufgeteilt, erforschten sie mit ihren Tutorinnen und Tutoren des Projekt-Seminars die Entstehung des Naturmonuments mit seinen einmaligen Basaltsäulen, die vor etwa 24 Millionen Jahren bei einem letzten Aufstieg von Magma unter der Landoberfläche entstanden und durch Erosion freigelegt wurden.

Die Juli-Exkursion führte als nächstes zum Naturschutzgebiet „Soos“ nordöstlich von Franzensbad, durch das ein 1,2 km langer Holzbohlenweg mit zahlreichen Informationstafeln führt. Das abgelegene Moor ist nicht nur Heimat von über 200 Vogelarten und unzähligen anderen Tier- und besonderen Pflanzenarten. Aus dem Erdinneren steigt aus einer Magmakammer durch Spalten Kohlendioxid auf, welches blubbernd an Wasseroberflächen in „Mofetten“ sichtbar wird. Zwei Museen liefern wertvolle Informationen zu der einzigartigen Moorlandschaft mit ihren postvulkanischen Mineralquellen und Gasaustritten.

Auf dem Weg zurück nach Nabburg wurde noch ein Überraschungsziel angefahren - der „Eisenbühl“ bei Neualbenreuth, kurz hinter der bayerisch-tschechischen Grenze. Dieser Schlackenkegel ist der jüngste bekannte böhmische Vulkan; er soll vor 10 000 bis 8 000 Jahren zum letzten Mal aktiv gewesen sein. Schon der Dichter Johann Wolfgang von Goethe besuchte und beschrieb dieses einzigartige tschechische Naturdenkmal. Auch wenn ein kurzer Regenschauer das sonst schöne Wetter etwas unterbrach - der Anblick der großen Masse an schwarzer Schlacke und der klar erkennbaren Schichten unterschiedlichen Auswurfmaterials wird unvergessen bleiben.

Bei der zweiten Studienfahrt Mitte Oktober erfolgte im Anschluss an die Erkundung des Parksteiner Basaltkegels ein Abstecher zum neuen Museum „Vulkanerlebnis Parkstein“, in dem die Schülerinnen und Schüler im Inneren eines „Vulkanschlots“, der sich über drei Stockwerke erstreckt, dank modernster Laser-, Licht- und Nebeltechnik einen „echten“ Vulkanausbruch hautnah miterleben konnten.

Gegen Mittag führte diese zweite Exkursion zum „Rauhen Kulm“. Die weithin sichtbare Landmarke wurde in einer Internet-Abstimmung, zu der die Heinz-Sielmann-Stiftung aufgerufen hatte, zum „schönsten Naturwunder Deutschlands 2013“ gekürt. Auf der Wanderung zum Gipfel beeindruckte vor allem die Basaltblockhalde, die wegen der extremen Standortbedingungen ein wichtiger Lebensraum für anpassungsfähige Tiere und für zum Teil seltene oder sogar vom Aussterben bedrohte Pflanzen geworden ist. Der gut 20 Meter hohe Turm bot eine herrliche Aussicht auf den Ort Neustadt am Kulm mit dem „Kleinen Kulm“ sowie die oberpfälzer und oberfränkische Herbstlandschaft.

Abschließend wurden bei beiden Exkursionen im Bus die Lösungen zu den auszufüllenden Arbeitsblättern besprochen und die besten Gruppen ermittelt. Die Schülerinnen und Schüler erbrachten bei beiden Fahrten tolle Leistungen, und so gingen für die jungen „Geologen“ und ihre Exkursionsbegleiter am „Kastanienbaum“, der Bushaltestelle in der Nähe des Gymnasiums, am späten Nachmittag ereignisreiche und spannende Tage zu Ende.

 

Franz Ziegler

Juli 2014
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